Interview mit Hanspeter Meyer, Orchideen-Produzent …

Orchideen sind der exotische Pflanzentraum par excellence: Ist eine Produktion in der Schweiz überhaupt möglich und sinnvoll?

Ja, selbstverständlich. Schon die oft monatelange Haltbarkeit der Blüten und Langlebigkeit der Orchideen rechtfertigt eine Produktion in der Schweiz. Zudem weisen Schweizer Orchideen eine bessere Ökobilanz aus als importierte, weil der lange Transport entfällt.

 

Sie haben sich ausschliesslich auf die Kultur von Orchideen spezialisiert. Was sind die Beweggründe dafür?

Schon 1968 hat mein Vater den Betrieb vollständig auf Spezialkulturen ausgerichtet. Während es früher Bromelien waren, begannen wir 1980 mit dem Anbau von Orchideen und steigerten die Menge jährlich. Seit 1998 werden nur noch Orchideen produziert. Inzwischen haben wir uns zum grössten und leistungsfähigsten Orchideenbetrieb in der Schweiz entwickelt. Unsere Stärke liegt in der Produktion von Orchideen in einer absoluten Top-Qualität. In den nächsten Jahren werden wir Orchideen in vielen neuen Formen, Farben, Grössen und Arten auf den Markt bringen!

 

Wieviele Orchideen produzieren Sie im Jahr? Woran erkennt man sie?

Unsere Jahresproduktion liegt derzeit bei rund 300‘000 Stück, davon wird der grösste Teil als Schweizer Pflanzen-Markenartikel und unseren Labels «Swissorchid» und «NEON» über die Blumenbörsen exklusiv im Fachhandel vermarktet. Unsere wichtigsten Kulturen sind Phalaenopsis, Paphiopedilum, Cattleya, Vanda sowie diverse Mehrgattungshybriden.

 

Orchideen gibt es mittlerweile ganzjährig im Angebot. Welches sind die Spitzenverkaufszeiten?

Der Absatz ist natürlich an den traditionellen Blumentagen wie Muttertag, Weihnachten und Valentin höher als normal. Allerdings werden Orchideen mittlerweile wirklich das ganze Jahr angeboten. Das Sortiment setzt sich aber je nach Jahreszeit anders zusammen, da bis jetzt fast nur bei den Phalaenopsis über die Steuerung der Kultur ganzjährig blühende Pflanzen verfügbar sind.

 

Phalaenopsis ist seit Jahren ein Renner und inzwischen die beliebteste blühende Zimmerpflanze. Wieso hat sich diese Gattung so stark durchgesetzt?

Eine Zimmerpflanze, die mehrere Monate lang blüht, einfach zu pflegen ist und auch bei mässiger Pflege einfach wieder in Blüte zu bringen ist, gab es bisher ganz einfach nicht. Einmal abgesehen vom fulminanten Farbenspektrum und der exotischen Anmutung.

 

Wohin geht der Trend, gibt es Neuheiten, die das Zeug zum Durchbruch haben?

Es gibt Verschiedenes zu beobachten: Einmal hin zu Pflanzen mit mehreren bis vielen Rispen, aber auch zu kleineren Pflanzen. Zum Beispiel die dieses Jahr erstmals auf den Markt kommenden «Little Ladies» (Mini-Phalaenopsis in einem 6cm-Topf). Daneben gibt es natürlich immer wieder neue Farben, aber auch andere Formen (z.B. hängende oder geformte Blütenrispen), die zunehmen werden.

 

Woher kommen die Impulse, wer züchtet?

Unser Betrieb ist Mitglied in einer Gruppe von fünf leistungsfähigen Orchideenbetrieben in Deutschland, Dänemark und Schweiz namens «NEON». Die Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, neue Orchideen auf dem europäischen Markt einzuführen. Dazu arbeitet sie weltweit mit führenden Züchtern zusammen. Dieses Jahr sind unter anderem die bereits genannten «Little Ladies» oder Phalaenopsis-Sorten mit besonders markanten Zeichnungen auf den europäischen Markt gebracht worden.

 

Was raten Sie interessierten Orchideen-Liebhabern, um ihr Hobby weiter zu vertiefen?

Viele Tipps und oft eine exklusive Auswahl findet man in den Fachgärtnereien von JardinSuisse, in Gartencentern und Blumengeschäften. Auch der Besuch von Orchideenausstellungen kann dazu dienen, Wissenslücken zu füllen und von diesen faszinierenden Pflanzen mehr zu erfahren. Wer vom Orchideen-Fieber gepackt wird, informiert sich bei der Orchideengesellschaft über deren regelmässige Treffen. Mehr Infos unter www.orchideen.ch.