Interview mit Werner Fassbind, Enziane-Produzent…

Herr Fassbind, in Ihrem Betrieb wachsen jährlich über 80'000 Herbst-Enziane heran. Wie fühlt man sich als grösster Enzianproduzent der Schweiz?

Eigentlich ganz gut, denn die Enziankultur braucht etwas Know-how, da kommt uns die mittlerweile rund 10jährige Erfahrung natürlich entgegen. Doch wir spüren auch hier einen zunehmenden Importdruck, vor allem aus Dänemark. So geschützt wie es vielleicht auf den ersten Blick aussehen mag, ist unser Markt also nicht. Die Dänen interessierts wenig, dass der Enzian ja fast so etwas wie die «Schweizer Nationalblume» ist. Wir verkaufen alleine auf den 1. August, dem Start der Enziansaison, rund einen Viertel der gesamten Produktion.

 

Ab und zu sieht man neben dem klassischen Blau auch rosafarbene und weisse Enziane im Angebot. Haben solche Züchtungen eine Zukunft?

Bisher kamen diese hellen Sorten vor allem aus Dänemark. Auch wir haben immer wieder neue Sorten im Test. Von weissen und rosafarbenen Varietäten sind es jedoch höchstens wenige Hundert. Viel mehr Potenzial haben neue blaue Sorten, die noch stärker verzweigen und blütenreicher sind.

 

Ihre Enziane wachsen alle im Freiland, offenbar stimmen die klimatischen Bedingungen sehr gut mit den Ansprüchen überein?

Ja, das kann man durchaus sagen. Sie sind lediglich während den heiklen ersten Kulturwochen unter Glas, anschliessend kommen alle ins Freiland. Auf dem Feld werden sie optimal abgehärtet. Das ist ein grosser Vorteil, denn man braucht keine zusätzliche Energie für die Kultur. Ausserdem ist praktisch kein Pflanzenschutz nötig.

 

Als Grossproduzent sind Sie auf den Absatz in Verbrauchermärkte angewiesen, ein weiterer Teil geht via Blumenbörsen in den Fachhandel. Ist das nicht ein zu grosser Spagat?

Überhaupt nicht. Denn während wir für den Grossverteiler nur wenige, standardisierte Massenartikel in eher kleinen Topfgrössen produzieren, sind es für den Fachhandel in der Regel grössere Qualitäten, spezielle Sorten und Neuheiten. Gerade das Herbstsortiment hat ja in den letzten Jahren massiv zugenommen. Früher gabs eigentlich fast nur Erika und Chrysanthemen… Dieser Markt ist ein wichtiger Kompetenzbereich der Fachbetriebe geworden. Nicht zuletzt, weil auch laufend neue Pflanzen hinzu kommen. Dass der Fachhandel die Zeichen der Zeit erkannt hat, zeigt er übrigens mit der Existenz des Schweizer Pflanzen-Labels. Nur so kann man spezielle Marktleistungen im Laden wahrnehmbar machen. Wir rüsten übrigens unsere Eigenproduktion, die an die Blumenbörsen gelangt, konsequent mit Schweizer Pflanzen-Etiketten aus.

 

Wie gross wird die Bedeutung der Schweizer Produktion Ihrer Ansicht nach in 10 Jahren sein?

Im eigenen Interesse hoffe ich natürlich, dass trotz dem hauptsächlich infolge des Preisgefälles massiv stärker werdenden Importdruck unsere Chancen intakt bleiben. Ich denke, dass Betriebe unter ca. 1 Hektar Kulturfläche unter Glas sich verstärkt in die Produktion von Spezialitäten entwickeln sollten, wo ihre Fachkompetenz eine wichtige Rolle spielt. Grössere Betriebe wie wir hingegen, werden weiter sowohl flächenmässig als auch von der Anzahl der Kulturen wachsen müssen, um international konkurrenzfähig zu bleiben.